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Bibliotheken der Partnerstädte Koszalin und Neubrandenburg zeigen in einer gemeinsamen Ausstellung polnische und deutsche Bücher mit Illustrationen von Maria Hiszpanska-Neumann

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Koszalinska Biblioteka Publiczna und Regionalbibliothek Neubrandenburg zeigen bis Ende Januar 2018 in der Neubrandenburger Regionalbibliothek eine Ausstellung mit polnischen und deutschen Büchern, die eine besondere buchkünstlerische Handschrift verbindet: Sie wurden illustriert von der Künstlerin Maria Hiszpanska-Neumann (1917-1980).

Maria Hiszpanska-Neumann © privat, Foto: Jan Dajnowski

Leben und Werk dieser polnischen Künstlerin sind auf bewegende Weise verbunden mit der Stadt Neubrandenburg und gaben außergewöhnliche Impulse für die Zusammenarbeit der Bibliotheken der Partnerstädte Koszalin und Neubrandenburg.  Maria Hiszpanska war als junge Kunststudentin Gefangene im Konzentrationslager Ravensbrück und seinen Außenlagern in Neubrandenburg. Sie dokumentierte als „polnische Käthe Kollwitz“ in hunderten Zeichnungen, was dort geschah. Zu den wenigen erhaltenen gehört eine Zeichnung, die 1975 bei Neubrandenburg-Fünfeichen im „Schmuggelfund aus dem KZ Ravensbrück“ gefunden wurde. Mit den „Schmuggelfund-Dokumenten“ entwickelten Dr. Constanze Jaiser, Koszalinska Biblioteka Publiczna und Regionalbibliothek Neubrandenburg ein polnisch-deutsches Jugendprojekt zum Thema Erinnerung, Kunst und Menschenwürde, in dem auch Leben und Werk von Maria Hiszpanska-Neumann eine wichtige Rolle spielten. Nach der Befreiung wurde sie zu einer international anerkannten polnischen Künstlerin, die sich lebenslang auseinandersetzte mit der Frage: „Wie soll man es machen, ein Mensch zu werden?“ (M. Hiszpanska-Neumann, Brief, 1978)

Zum 100. Geburtstag im Jahr 2017 gelang es Kunsthistorikerin Brigitta Waldow-Schily, Autorin der ersten Künstlermonographie über Maria Hiszpanska-Neumann, eine Retrospektive mit ausgewählter Grafik und Malerei in 4 deutschen Städten zu realisieren. Diese wird noch bis Ende Dezember im Neubrandenburger Stadtarchiv zu sehen sein. Zusätzlich regt nun die Buchpräsentation in der Regionalbibliothek dazu an, eine wenig bekannte aber wirkungsreiche Facette ihrer Kunst zu entdecken: Buchillustrationen für polnische und deutsche Texte, für polnische und deutsche Verlage. Etwa 70 Titel hat Maria Hiszpanska-Neumann illustriert, 25 davon werden gezeigt und stammen aus den Bibliotheks-Sammlungen in Koszalin und Neubrandenburg. Dazu gehört u. a. das Epos „Tristan und Isolde“ mit 20 Holzschnitten, ausgezeichnet als Schönstes Buch der DDR 1962.

Die Idee zu dieser gemeinsamen Ausstellung der öffentlichen Bibliotheken von Koszalin und Neubrandenburg entstand übrigens „am Rande“ der 10. polnisch-deutschen Bibliothekskonferenz des Deutschen Bibliotheksverbandes Mecklenburg-Vorpommern und der Vereinigung Westpommerscher Bibliotheken 2017 in Neubrandenburg – und wurde engagiert umgesetzt von Anja Hinz-Sadeghi, Auszubildende in der Regionalbibliothek. Begleitet wird die Ausstellung von einem außergewöhnlichen Kunst-Projekt des Projektes Zeitlupe der RAA MV: junge Neubrandenburger werden zum Internationalen Tag der Menschenrechte Bibliotheks-Stellwände mit Graffitis zum Thema „Menschenrechte und Meinungsfreiheit“ gestalten, sich aktiv engagieren für „Erinnerung, Kunst und Menschenwürde“, auch in Erinnerung an Maria Hiszpanska-Neumann.

Aufbau der Buchpräsentation: Anja Hinz-Sadeghi, Auszubildende der Regionalbibliothek (Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, FAMI) © Regionalbibliothek Neubrandenburg

Brigitta Waldow-Schily: Die Künstlerin Maria Hiszpanska-Neumann und Neubrandenburg : Briefe, Zeichnungen, Erinnerungen

Im Neubrandenburger Bücherfrühling geht es am 12. Mai 2017 um 18 Uhr im Stadtarchiv (Haus der Kultur und Bildung, Eingang Darrenstraße) um die polnische Künstlerin Maria Hiszpańska-Neumann (1917 – 1980) – und Neubrandenburg.

Welche Verbindung gibt es zwischen Neubrandenburg und der „polnischen Käthe Kollwitz“? Was erzählen davon Briefe von Maria Hiszpańska-Neumann, die vor wenigen Jahren zufällig entdeckt wurden?

 Was hat der „Neubrandenburger Schmuggelfund aus dem KZ“ damit zu tun?

Brigitta Waldow-Schily, Autorin der deutschsprachigen Künstlermonographie, berichtet von einer spannenden biografischen Spurensuche, porträtiert eine außergewöhnliche Künstlerin und liest erstmals in Neubrandenburg aus Briefen, die die junge Kunststudentin „Myszka“ hier schrieb: als Gefangene im Außenlager des KZ Ravensbrück.

„… wie soll man es machen, ein Mensch zu werden?“ – danach fragt Maria Hiszpanska-Neumann in ihrem künstlerischen Lebenswerk. Zu Gedanken um „Erinnerung, Kunst und Menschenwürde“ in Worten und Bildern tritt die musikalische Begleitung der Lesung in einen berührenden Dialog: Gitarrist Jacob Pampuch erzählt in der „Sprache des Flamenco“ von Leid und Sehnsucht, Würde und Hoffnung.

Es laden gemeinsam ein:
zeitlupe | Stadt.Geschichte & Erinnerung / ein Projekt der RAA Mecklenburg-Vorpommern e.V. (Informationen: constanze.jaiser@raa-mv.de), Stadtarchiv Neubrandenburg und Regionalbibliothek.

Karten gibt es an der Abendkasse (4,00 €, erm. 3,00 €, Schüler 1,00 €) oder im Vorverkauf in der Regionalbibliothek – und werden gern für Sie reserviert (Telefon 0395 / 5551333 oder 0395 / 5551324, Stiftung.bibl@neubrandenburg.de).

„Eine Flaschenpost aus dem KZ Ravensbrück – und wir“ : ein außergewöhnlicher Projekttag in der Regionalbibliothek

„Schüler erkunden Flaschenpost aus dunkler Vergangenheit. Weit entfernt und lange her scheinen die Ereignisse, von denen ein Fund aus einem Waldgebiet nahe Neubrandenburg zeugt. Was er in ihnen auslöst, wollen junge Leute aus Deutschland und Polen in einer Ausstellung zeigen…“ , so beginnt am 23. 01.2016 ein Nordkurier-Bericht über einen Projekttag und ein außergewöhnliches polnisch-deutsches Jugendprojekt in der Regionalbibliothek. „‘Uns war vorher nicht bewusst, dass es so viel mit Neubrandenburg zu tun hat‘, bekennt Julius Richert. ‚Jetzt scheint diese Geschichte allgegenwärtig.“

Es geht um eine „historische Flaschenpost“, die 1975 im Lindetal bei Neubrandenburg-Fünfeichen entdeckt wurde und heute im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau bewahrt wird: Ein Glas, vergraben im Wald, sorgfältig verschlossen, gefüllt mit 14 Briefen aus dem Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück, mit Namenslisten zu Erschießungen und Zwangsoperationen, mit kleinen Kunstwerken und mit 37 Gedichten in polnischer Sprache. Sie erzählt eine berührende Geschichte: Junge Polinnen schmuggelten 1942/43 geheime Botschaften aus dem KZ Ravensbrück zu einer Widerstandsgruppe polnischer Kriegsgefangener im Kriegsgefangenenlager Stalag II A Neubrandenburg-Fünfeichen. Unter Todesgefahr wollten sie bezeugen, was im KZ geschah – „damit die Welt es erfährt…

IMG_4460 Im gemeinsamen Jugendprojekt der öffentlichen Bibliotheken von Koszalin und Neubrandenburg entdecken nun junge Neubrandenburger und Koszaliner das „Verstehens- und Dialogangebot“ (I. von der Lühe) dieser Zeugnisse. Gemeinsam denken sie darüber nach, was diese „Flaschenpost aus dem KZ Ravensbrück“ heute jungen Leuten zu sagen hat. Die Stiftung Erinnerung Verantwortung und Zukunft fördert das diese Auseinandersetzung zum Thema „Diskriminierung: Augen auf – Damals und heute!“ in ihrem Förderfeld EUROPEANS FOR PEACE und das Deutsch-Polnische Jugendwerk unterstützt die Jugendbegegnungen. Gemeinsam erkundeten die 26 Schüler im Oktober 2015 die „historischen Orte“ in der Gedenkstätte Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück, in der Gedenkstätte Lager Neubrandenburg-Fünfeichen, gingen auf Spurensuche in Stadt, Regionalmuseum und Stadtarchiv Neubrandenburg und lernten die engagierte Übersetzerin der Dokumente Inge Gerlinghoff kennen. Sie erfuhren, was aus den „Flaschenpost-Dokumenten“ zu lernen ist über Diskriminierung und Verfolgung im Nationalsozialismus, erprobten kreative Formen des Erinnerns und der Sensibilisierung für Fragen der Menschenwürde und Menschenrechte. Im März 2016 gibt es ein Wiedersehen in Koszalin und es geht um Bezüge zu heutigen Formen von Diskriminierung, zur eigenen Lebenswelt. In der Zwischenzeit wird in Neubrandenburg und in Koszalin darüber nachgedacht, wie man gemeinsam helfen könnte, die Geschichte und den Appell der „Neubrandenburger Flaschenpost aus dem KZ“ weiter zu geben… Der Projekttag in der Regionalbibliothek dauerte viel länger als geplant, war intensiver als gedacht – und hat gezeigt: es gibt viele Ideen – und noch sehr viel zu tun!

 

 

 

  • Hier sind Gedanken zum „Verstehens- und Dialogangebot“ dieser Zeugnisse nachzulesen, die Prof. Irmela von der Lühe in ihrer Laudatio zum Annalise-Wagner-Preis formulierte

Mein Schülerpraktikum in der Bibliothek

Während meines Praktikums in der Bibliothek habe ich viel darüber gelernt, wieviel Arbeit und Wissen notwendig ist, damit eine Bibliothek „funktioniert“: Ich habe z. B. Medien sortiert und DVDs geputzt, in den Regalen für Ordnung gesorgt, ich konnte Besuchern helfen, sich in der Bibliothek zurecht zu finden und mit den nagelneuen „Selbstverbuchern“ umzugehen, ich durfte an Bibliotheksführungen für Kinder teilnehmen und habe von Bibliothekarinnen erfahren, wie die Medien eigentlich „ins Bibliotheksregal kommen“.

Interessant war für mich, dass die Regionalbibliothek sogar ein Jugendprojekt auf die Beine stellt, zusammen mit der Bibliothek unserer Partnerstadt Koszalin .

Darauf war ich neugierig! Es heißt „Eine Flaschenpost aus dem KZ Ravensbrück, eine Geschichte von Mut gegen Diskriminierung und Verfolgung – und wir“. Schüler aus Neubrandenburg und Koszalin beschäftigen sich mit Briefen und Gedichten und Dokumenten und Kunstwerken, die aus dem KZ Ravensbrück geschmuggelt wurden und in Neubrandenburg gefunden wurden. Es geht darum, was sie uns heute zu sagen haben.

Weil ich das spannend fand, bekam ich die Aufgabe, mich mit einer Medienrecherche zum Thema „Diskriminierung: Augen auf! Damals und heute“ zu beschäftigen. Das machen übrigens viele junge Leute in ganz Europa, z. B. im Projekt EUOPEANS FOR PEACE http://www.stiftung-evz.de/handlungsfelder/handeln-fuer-menschenrechte/europeans-for-peace.html

Eine spannende Anregung dazu fand ich in der Projektmappe „Ein Schmuggelfund aus dem KZ: Erinnerung, Kunst und Menschenwürde“  Es gibt in der Mappe ein Spiel: ein Memory mit Bildern undJaiser_Pampuch_Schmuggelfund_ Projektmappe Texten zum Thema Diskriminierung und Menschenwürde. Es hat mich überrascht, dass Menschenwürde so viel zu tun hat mit Kunst, Musik, Poesie, Literatur… Und es gab in der Mappe schon so viele Medien-Tipps, dass es für mich schwer war, noch neues zu finden. Hier sind drei davon:

Die „Medien-Tipps“ aus meiner Recherche bekommen übrigens die Schüler für ihre Projektarbeit – und ich bin gespannt, wie sich das Projekt weiter entwickelt (und würde mich echt freuen über eine kleine Info!) 

Viel Spaß beim Lesen und neues Entdecken, eure Emma

 

 

 

„Eine Flaschenpost aus dem KZ, eine Geschichte von Mut gegen Diskriminierung und Verfolgung – und wir“ : EUROPEANS FOR PEACE-Projekt junger Leute aus Koszalin und Neubrandenburg

„Diskriminierung: Augen auf!“ heißt es vom 4. bis 10. Oktober 2015 in Neubrandenburg, wenn 26 junge Leute aus den Partnerstädten Koszalin und Neubrandenburg hier in ein spannendes polnisch-deutsches Jugendprojekt starten, das gefördert wird sowohl durch das Deutsch-Polnische Jugendwerk www.dpjw.de als auch im Programm EUROPEANS FOR PEACE der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ). In EUROPEANS FOR PEACE Projekten beschäftigen sich Jugendliche aus Deutschland und Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas sowie Israel mit den Themen Diskriminierung und Verfolgung im Nationalsozialismus oder mit aktuellen Fragen von Diskriminierung, geht es um geschichtsbewusstes Engagement junger Leute für Menschenrechte und Völkerverständigung. http://www.europeans-for-peace.de/index.html

In Neubrandenburg und Koszalin geht es um das Thema: „Eine Flaschenpost aus dem KZ, eine Geschichte von Mut gegen Diskriminierung und Verfolgung – und wir“.

Die „Flaschenpost“ ist ein Kassiber, den junge Polinnen 1943 aus dem KZ Ravensbrück zu einer Widerstandsgruppe polnischer Kriegsgefangener im Kriegsgefangenenlager Stalag II A Neubrandenburg-Fünfeichen schmuggelten – „… damit die Welt es erfährt“ (Zofia Pocilowska, damals 23 Jahre) was im KZ geschah. Die Kriegsgefangenen leiteten mehrmals Informationen nach Polen, an die polnische Exilregierung oder die BBC weiter, konnten diesen Kassiber jedoch nur durch Vergraben im Wald vor der Entdeckung retten. Der (Glas-)Kassiber wurde vor 40 Jahren in Neubrandenburg gefunden und wird im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau in Oświęcim bewahrt. So außergewöhnlich wie die Geschichte der „Flaschenpost“ ist ihr Inhalt: Es sind bewegende Dokumente (Namenslisten zu Erschießungen und zu pseudo-medizinischen Experimenten im KZ Ravensbrück), vor allem aber berührende poetische und künstlerische Zeugnisse: 14 Briefe, 2 kleine Kunstwerke und 37 Gedichte.

Gemeinsam werden Schülerinnen und Schüler aus dem II. Liceum Ogólnokształcące im. Władysława Broniewskiego www.broniewski.edu.pl in Koszalin und aus dem Albert-Einstein-Gymnasium Neubrandenburg www.aeg-nb.de darüber nachdenken, was diese Zeugnisse erzählen über Diskriminierung und Verfolgung im okkupierten Polen und im KZ, über den Mut junger Polinnen im KZ und junger Polen im Kriegsgefangenenlager Neubrandenburg-Fünfeichen zum Widerstand, über ihr Ringen um Menschenwürde und über die besondere Rolle von Poesie und Kunst dabei. Sie werden auf historische Spurensuche „vor der Haustür“ gehen und sie werden kreative Formen des Erinnerns und der Sensibilisierung für Fragen der Menschenwürde und Menschenrechte erproben. Über die geschichtliche Auseinandersetzung hinaus geht es um Bezüge zu heutigen Formen von Diskriminierung, zur eigenen Lebenswelt, geht es um das eigene Bewusstsein für Werte. Und vielleicht entstehen dabei Ideen, wie die „Flaschenpost aus dem KZ“ heute junge Leute erreichen kann.

Die kreativen Workshops beruhen auf Ideen aus der Projektmappe „Ein Schmuggelfund aus dem KZ – Erinnerung, Kunst & Menschenwürde“ von Dr. Constanze Jaiser und Jacob David Pampuch, die mit dem 21. Annalise-Wagner-Preis der Annalise-Wagner-Stiftung aus Neubrandenburg ausgezeichnet wurde. http://www.tonworte.de/projektmappe/aufbau/

Als Projektträger engagieren sich gemeinsam die öffentlichen Bibliotheken der Partnerstädte (Koszalinska Biblioteka Publiczna www.biblioteka.koszalin.pl und Regionalbibliothek Neubrandenburg www.bibliothek-nb.de ) im Rahmen ihrer Profilierung als außerschulische Lernorte  und im Sinne eines Brückenschlags zwischen historischer, menschenrechtlicher und kultureller Bildung.