Ein Schmuggelfund aus dem KZ

Musikalische Lesung am 24. April 2015 um 19.30 Uhr in St. Johannis Neubrandenburg

Einen außergewöhnlichen Akzent im „Neubrandenburger 2015_PLAKAT_Lesung_SchmuggelfundBücherfrühling“ setzt die Lesung „Ein Schmuggelfund aus dem KZ“. Es geht um einen spektakulären Fund, der im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau in Oświęcim bewahrt wird – und der im Mai vor 40 Jahren im Wald bei Neubrandenburg-Fünfeichen ausgegraben wurde.

Entdeckt wurde ein Glas mit 14 Briefen, Namenslisten zu Erschießungen und Zwangsoperationen, kleinen Kunstwerken und 37 Gedichten in polnischer Sprache. Sie erzählen eine berührende Geschichte: Junge Polinnen schmuggelten 1942/43 geheime Botschaften aus dem KZ Ravensbrück zu einer Widerstandsgruppe polnischer Kriegsgefangener im Kriegsgefangenenlager Stalag II A Neubrandenburg-Fünfeichen. Unter Todesgefahr wollten sie bezeugen, was im KZ geschah – „damit die Welt es erfährt“. Briefe und Gedichte zeugen von Verzweiflung und Überlebenswillen, von gegenseitiger Hilfe und Sorge, von Todesangst und von Mut zum Widerstand, insbesondere aber von der Kraft, die den vom Tod bedrohten Frauen Poesie und Kunst sowie ihr eigenes Ringen um Menschlichkeit und Menschenwürde gaben.

Die Kriegsgefangenen fanden Wege, diese Zeugnisse von Neubrandenburg aus nach Polen, an die polnische Exilregierung oder an die BBC weiter zu geben. Als 1943 Verrat drohte, vergruben sie den letzten Kassiber im Wald. Mehr als 30 Jahre später erinnerte sich ein Überlebender an das Versteck, 1975 wurde der „Schmuggelfund“ geborgen und von der DDR-Regierung an Polen übergeben.

70 Jahre nach der Befreiung des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der NS-Diktatur erinnert die gemeinsame Veranstaltung von Neubrandenburger Regionalbibliothek, Gemeinde St. Johannis und Annalise-Wagner-Stiftung an das Vermächtnis des „Schmuggelfundes“. Poetische Zeugnisse treten in Dialog zu Flamenco-Gitarre und Orgel-Improvisationen, die Erniedrigung und Selbstbehauptung, Leid und Lebensmut, Trauer und Hoffnung musikalisch nahebringen. Vor allem aber treten sie in Dialog – zu uns.

Sie werden vorgestellt von Dr. Constanze Jaiser und Jacob David Pampuch, den Autoren der Publikation „Ein Schmuggelfund aus dem KZ : Erinnerung, Kunst und Menschenwürde“, ausgezeichnet mit dem 21. Annalise-Wagner-Preis. Von dieser Projektmappe zu kreativen, individuellen Erinnerungsformen ermutigt, nähern sich Schüler aus dem Theaterkurs des Sportgymnasiums / Musisches Haus (Leitung: Marlen Fuhrmann) dem Thema pantomimisch. Musikalische Akzente setzen Gitarrist Jacob Pampuch und Kantor Tobias Frank. Nach der Veranstaltung lädt die Gemeinde St. Johannis herzlich dazu ein, den Abend bei Gesprächen und Gedankenaustausch ausklingen zu lassen. Der Eintritt ist frei.

Mehr Informationen: www.schmuggelfund.de, www.musik-an-sankt-johannis.de