Inge Gerlinghoff stellt die Publikation „Damit die Welt es erfährt“ vor

5. Oktober 2015, 18 Uhr, Regionalbibliothek :
Inge Gerlinghoff stellt die Publikation „Damit die Welt es erfährt“ vor

Herzlich lädt die Neubrandenburger Regionalbibliothek zur ersten Buchvorstellung in ihren neuen Räumen ein: Am 5. Oktober 2015 um 18 Uhr stellt Inge Gerlinghoff die Publikation „Damit die Welt es erfährt“ (Metropol Verlag 2015) vor. Es geht um einen spektakulären Fund im Wald bei Neubrandenburg-Fünfeichen, um eine außergewöhnliche Geschichte von Mut zum Widerstand aus dem Jahr 1943, um einen geheimen Briefwechsel zwischen Polinnen im KZ Ravensbrück und polnischen Kriegsgefangenen in Neubrandenburg-Fünfeichen.

1975-05-24_Ausgrabung_2_c_RegionalmuseumNB1975-05-24_Ausgrabung_2_c_RegionalmuseumNBGenau vor 40 Jahren wurde im Wald von Neubrandenburg-Fünfeichen ein Glasbehälter ausgegraben, der einen winzigen Adler als Miniaturschnitzerei, eine Zeichnung und 36 eng in polnischer Sprache beschriebene Blätter enthielt: Namenslisten zu Erschießungen und Zwangsoperationen im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück, 14 Briefe und 37 Gedichte. „Damit die Welt es erfährt“ was im KZ geschah, schmuggelten polnische Mädchen und Frauen von März bis Oktober 1943 Nachrichten zu polnischen Kriegsgefangenen im Stalag II A Neubrandenburg-Fünfeichen. Die 23jährige Zofia Pocilowska schrieb in einem Brief vom 9. Oktober 1943: „Unabhängig davon, ob wir nun zurückkehren oder nicht, muss doch die Geschichte der Polinnen in Ravensbrück und überhaupt die Geschichte des ganzen Lagers möglichst genau und in vollem Umfang an das Tageslicht gelangen, wahrhaftig und unverfälscht.“ Eine Widerstandsgruppe polnischer Kriegsgefangener fand Wege, diese Zeugnisse von Neubrandenburg aus nach Polen, an die polnische Exilregierung oder an die BBC weiter zu geben. Als Verrat drohte, vergruben sie den letzten Kassiber im Wald. Mehr als 30 Jahre später erinnerte sich ein Überlebender an das Versteck, 1975 wurde der Kassiber gefunden und von der DDR-Regierung an das Zentralkomitee der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei übergeben. Die Dokumente werden im Staatlichen Museum Oświęcim / Auschwitz bewahrt, wurden 1980 in Polen veröffentlicht und erschienen im April 2015 erstmals komplett in deutscher Übersetzung (herausgegeben von Dr. Andrea Genest, Metropol Verlag, 2015, Forschungsbeiträge und Materialien der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Band 14). Diese Zeugnisse gehören zu den seltenen Ravensbrück-Dokumenten, die nicht aus der Erinnerung heraus berichten, sondern im doppelten Sinne Zeitdokumente sind.

Inge Gerlinghoff hat mit ihrer Freundin Barbara Lubos-Kroll Briefe und Gedichte aus diesem Kassiber in die deutsche Sprache übersetzt. Beide wuchsen zweisprachig deutsch –polnisch auf, Inge Gerlinghoff war 30 Jahre Lehrerin für Deutsch und Russisch in Berlin (West) und engagiert sich ehrenamtlich im Maximilian-Kolbe-Werk für die Betreuung ehemaliger KZ-Häftlinge. Seit vielen Jahren ist sie mit „Ravensbrückerinnen“ aus verschiedenen Ländern befreundet, darunter mit der heute 95jährigen Künstlerin Zofia Pocilowska-Kann aus Warschau.
Deshalb freut sie sich sehr über den Anlass ihres Besuchs in Neubrandenburg: Sie ist nachmittags zu Gast bei jungen Leuten aus Neubrandenburg und Koszalin, die sich im polnisch-deutschen Jugendprojekt „Eine Flaschenpost aus dem KZ – und ich“ gemeinsam mit dem Kassiber von Neubrandenburg-Fünfeichen auseinandersetzen und kreative Wege des Erinnerns ausprobieren. Es ist Inge Gerlinghoff eine Herzenssache, die Briefe und Gedichte bekannt zu machen und von ihrer ganz persönlichen Begegnung mit diesen Dokumenten als Übersetzerin zu berichten. Und sie wird erzählen von ihrer Freundin Zofia, die als junges Mädchen unter Todesgefahr Briefe aus dem KZ Ravensbrück nach Neubrandenburg schmuggelte – „damit Welt es erfährt“.

Um 18 Uhr ist jeder Interessierte herzlich eingeladen, in der Regionalbibliothek mit Inge Gerlinghoff auf den Spuren des „Kassibers von Neubrandenburg-Fünfeichen“ auf Zeitreise zu gehen. Der Eintritt ist frei. Gern werden Plätze reserviert. Kontakt: Telefon 0395 / 5551333, 0395 5551324, stiftung.bibl@neubrandenburg.de, www.bibliothek-nb.