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„Eine Flaschenpost aus dem KZ, eine Geschichte von Mut gegen Diskriminierung und Verfolgung – und wir“ : EUROPEANS FOR PEACE-Projekt junger Leute aus Koszalin und Neubrandenburg

„Diskriminierung: Augen auf!“ heißt es vom 4. bis 10. Oktober 2015 in Neubrandenburg, wenn 26 junge Leute aus den Partnerstädten Koszalin und Neubrandenburg hier in ein spannendes polnisch-deutsches Jugendprojekt starten, das gefördert wird sowohl durch das Deutsch-Polnische Jugendwerk www.dpjw.de als auch im Programm EUROPEANS FOR PEACE der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ). In EUROPEANS FOR PEACE Projekten beschäftigen sich Jugendliche aus Deutschland und Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas sowie Israel mit den Themen Diskriminierung und Verfolgung im Nationalsozialismus oder mit aktuellen Fragen von Diskriminierung, geht es um geschichtsbewusstes Engagement junger Leute für Menschenrechte und Völkerverständigung. http://www.europeans-for-peace.de/index.html

In Neubrandenburg und Koszalin geht es um das Thema: „Eine Flaschenpost aus dem KZ, eine Geschichte von Mut gegen Diskriminierung und Verfolgung – und wir“.

Die „Flaschenpost“ ist ein Kassiber, den junge Polinnen 1943 aus dem KZ Ravensbrück zu einer Widerstandsgruppe polnischer Kriegsgefangener im Kriegsgefangenenlager Stalag II A Neubrandenburg-Fünfeichen schmuggelten – „… damit die Welt es erfährt“ (Zofia Pocilowska, damals 23 Jahre) was im KZ geschah. Die Kriegsgefangenen leiteten mehrmals Informationen nach Polen, an die polnische Exilregierung oder die BBC weiter, konnten diesen Kassiber jedoch nur durch Vergraben im Wald vor der Entdeckung retten. Der (Glas-)Kassiber wurde vor 40 Jahren in Neubrandenburg gefunden und wird im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau in Oświęcim bewahrt. So außergewöhnlich wie die Geschichte der „Flaschenpost“ ist ihr Inhalt: Es sind bewegende Dokumente (Namenslisten zu Erschießungen und zu pseudo-medizinischen Experimenten im KZ Ravensbrück), vor allem aber berührende poetische und künstlerische Zeugnisse: 14 Briefe, 2 kleine Kunstwerke und 37 Gedichte.

Gemeinsam werden Schülerinnen und Schüler aus dem II. Liceum Ogólnokształcące im. Władysława Broniewskiego www.broniewski.edu.pl in Koszalin und aus dem Albert-Einstein-Gymnasium Neubrandenburg www.aeg-nb.de darüber nachdenken, was diese Zeugnisse erzählen über Diskriminierung und Verfolgung im okkupierten Polen und im KZ, über den Mut junger Polinnen im KZ und junger Polen im Kriegsgefangenenlager Neubrandenburg-Fünfeichen zum Widerstand, über ihr Ringen um Menschenwürde und über die besondere Rolle von Poesie und Kunst dabei. Sie werden auf historische Spurensuche „vor der Haustür“ gehen und sie werden kreative Formen des Erinnerns und der Sensibilisierung für Fragen der Menschenwürde und Menschenrechte erproben. Über die geschichtliche Auseinandersetzung hinaus geht es um Bezüge zu heutigen Formen von Diskriminierung, zur eigenen Lebenswelt, geht es um das eigene Bewusstsein für Werte. Und vielleicht entstehen dabei Ideen, wie die „Flaschenpost aus dem KZ“ heute junge Leute erreichen kann.

Die kreativen Workshops beruhen auf Ideen aus der Projektmappe „Ein Schmuggelfund aus dem KZ – Erinnerung, Kunst & Menschenwürde“ von Dr. Constanze Jaiser und Jacob David Pampuch, die mit dem 21. Annalise-Wagner-Preis der Annalise-Wagner-Stiftung aus Neubrandenburg ausgezeichnet wurde. http://www.tonworte.de/projektmappe/aufbau/

Als Projektträger engagieren sich gemeinsam die öffentlichen Bibliotheken der Partnerstädte (Koszalinska Biblioteka Publiczna www.biblioteka.koszalin.pl und Regionalbibliothek Neubrandenburg www.bibliothek-nb.de ) im Rahmen ihrer Profilierung als außerschulische Lernorte  und im Sinne eines Brückenschlags zwischen historischer, menschenrechtlicher und kultureller Bildung.

Inge Gerlinghoff stellt die Publikation „Damit die Welt es erfährt“ vor

5. Oktober 2015, 18 Uhr, Regionalbibliothek :
Inge Gerlinghoff stellt die Publikation „Damit die Welt es erfährt“ vor

Herzlich lädt die Neubrandenburger Regionalbibliothek zur ersten Buchvorstellung in ihren neuen Räumen ein: Am 5. Oktober 2015 um 18 Uhr stellt Inge Gerlinghoff die Publikation „Damit die Welt es erfährt“ (Metropol Verlag 2015) vor. Es geht um einen spektakulären Fund im Wald bei Neubrandenburg-Fünfeichen, um eine außergewöhnliche Geschichte von Mut zum Widerstand aus dem Jahr 1943, um einen geheimen Briefwechsel zwischen Polinnen im KZ Ravensbrück und polnischen Kriegsgefangenen in Neubrandenburg-Fünfeichen.

1975-05-24_Ausgrabung_2_c_RegionalmuseumNB1975-05-24_Ausgrabung_2_c_RegionalmuseumNBGenau vor 40 Jahren wurde im Wald von Neubrandenburg-Fünfeichen ein Glasbehälter ausgegraben, der einen winzigen Adler als Miniaturschnitzerei, eine Zeichnung und 36 eng in polnischer Sprache beschriebene Blätter enthielt: Namenslisten zu Erschießungen und Zwangsoperationen im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück, 14 Briefe und 37 Gedichte. „Damit die Welt es erfährt“ was im KZ geschah, schmuggelten polnische Mädchen und Frauen von März bis Oktober 1943 Nachrichten zu polnischen Kriegsgefangenen im Stalag II A Neubrandenburg-Fünfeichen. Die 23jährige Zofia Pocilowska schrieb in einem Brief vom 9. Oktober 1943: „Unabhängig davon, ob wir nun zurückkehren oder nicht, muss doch die Geschichte der Polinnen in Ravensbrück und überhaupt die Geschichte des ganzen Lagers möglichst genau und in vollem Umfang an das Tageslicht gelangen, wahrhaftig und unverfälscht.“ Eine Widerstandsgruppe polnischer Kriegsgefangener fand Wege, diese Zeugnisse von Neubrandenburg aus nach Polen, an die polnische Exilregierung oder an die BBC weiter zu geben. Als Verrat drohte, vergruben sie den letzten Kassiber im Wald. Mehr als 30 Jahre später erinnerte sich ein Überlebender an das Versteck, 1975 wurde der Kassiber gefunden und von der DDR-Regierung an das Zentralkomitee der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei übergeben. Die Dokumente werden im Staatlichen Museum Oświęcim / Auschwitz bewahrt, wurden 1980 in Polen veröffentlicht und erschienen im April 2015 erstmals komplett in deutscher Übersetzung (herausgegeben von Dr. Andrea Genest, Metropol Verlag, 2015, Forschungsbeiträge und Materialien der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Band 14). Diese Zeugnisse gehören zu den seltenen Ravensbrück-Dokumenten, die nicht aus der Erinnerung heraus berichten, sondern im doppelten Sinne Zeitdokumente sind.

Inge Gerlinghoff hat mit ihrer Freundin Barbara Lubos-Kroll Briefe und Gedichte aus diesem Kassiber in die deutsche Sprache übersetzt. Beide wuchsen zweisprachig deutsch –polnisch auf, Inge Gerlinghoff war 30 Jahre Lehrerin für Deutsch und Russisch in Berlin (West) und engagiert sich ehrenamtlich im Maximilian-Kolbe-Werk für die Betreuung ehemaliger KZ-Häftlinge. Seit vielen Jahren ist sie mit „Ravensbrückerinnen“ aus verschiedenen Ländern befreundet, darunter mit der heute 95jährigen Künstlerin Zofia Pocilowska-Kann aus Warschau.
Deshalb freut sie sich sehr über den Anlass ihres Besuchs in Neubrandenburg: Sie ist nachmittags zu Gast bei jungen Leuten aus Neubrandenburg und Koszalin, die sich im polnisch-deutschen Jugendprojekt „Eine Flaschenpost aus dem KZ – und ich“ gemeinsam mit dem Kassiber von Neubrandenburg-Fünfeichen auseinandersetzen und kreative Wege des Erinnerns ausprobieren. Es ist Inge Gerlinghoff eine Herzenssache, die Briefe und Gedichte bekannt zu machen und von ihrer ganz persönlichen Begegnung mit diesen Dokumenten als Übersetzerin zu berichten. Und sie wird erzählen von ihrer Freundin Zofia, die als junges Mädchen unter Todesgefahr Briefe aus dem KZ Ravensbrück nach Neubrandenburg schmuggelte – „damit Welt es erfährt“.

Um 18 Uhr ist jeder Interessierte herzlich eingeladen, in der Regionalbibliothek mit Inge Gerlinghoff auf den Spuren des „Kassibers von Neubrandenburg-Fünfeichen“ auf Zeitreise zu gehen. Der Eintritt ist frei. Gern werden Plätze reserviert. Kontakt: Telefon 0395 / 5551333, 0395 5551324, stiftung.bibl@neubrandenburg.de, www.bibliothek-nb.

 

Annalise-Wagner-Stiftung zeichnet Publikation zur Geschichte der Lager in Neubrandenburg-Fünfeichen aus

Am 3. Juli 2015 (Achtung: neuer Termin!) lädt die Annalise-Wagner-Stiftung herzlich ein zur öffentlichen Verleihung des 24. Annalise-Wagner-Preises an Dr. Natalja Jeske.
Die Feierstunde beginnt um 18 Uhr im Ratssaal der Stadt Friedland (Altes Gymnasium, Rudolf-Breitscheid-Straße 5).

Die Terminänderung hat einen guten Grund: Dr. Natalja Jeske gehört am 26. Juni 2015 zu den Referenten der internationalen Konferenz „25 Jahre Aufarbeitung der Geschichte der sowjetischen Speziallager“. Mit dem Annalise-Wagner-Preis ausgezeichnet wird ihre zeitgeschichtliche Studie „Lager in Neubrandenburg-Fünfeichen 1939 – 1948 : Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht, Repatriierungslager, sowjetisches Speziallager“ (Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern, ISBN 978-3-9816439-0-9). Darin entwirft sie – erstmals in einer Gesamtperspektive – ein differenziertes Bild vom historischen Ort Neubrandenburg-Fünfeichen als Standort von fünf unterschiedlichen Lagern in zwei verschiedenen Diktaturen des 20. Jahrhunderts.

Die Laudatio für Dr. Natalja Jeske hält Prof. Dr. phil. Matthias Pfüller, ein Nestor der Gedenkstättenarbeit im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern.

Vor der Festveranstaltung gibt es für Preisverleihungs-Gäste die außergewöhnliche Chance, in Friedland ein so innovatives wie erfolgreiches Medien-Unternehmen Mecklenburg-Vorpommerns kennen zu lernen: Um 16 Uhr und um 16.45 Uhr lädt die STEFFEN Druck & Verlag GmbH (http://www.steffen-media.de/ ) zur Betriebsführung ein. Die Teilnehmerzahl ist beschränkt, deshalb ist eine kurze Anmeldung bei der Geschäftsstelle der Annalise-Wagner-Stiftung wichtig.

Kontakt:

Annalise-Wagner-Stiftung, Geschäftsstelle, Friedrich-Engels-Ring 53, 17033 Neubrandenburg,

Telefon 0395 / 5551333, Mail stiftung.bibl@neubrandenburg.de, online www.annalise-wagner-stiftung.de

Mehr Informationen zur Preisträgerarbeit

Annalise-Wagner-Stiftung zeichnet Publikation zur Geschichte der Lager in Neubrandenburg-Fünfeichen aus

Die Annalise-Wagner-Stiftung vergibt zum 24. Mal den mit 2.500 Euro dotierten Annalise-Wagner-Preis an „Texte mit besonderer Bedeutung für das Gedächtnis der Region“ (A. Wagner 1903-1986). In diesem Jahr geht die Auszeichnung an die zeitgeschichtliche Studie „Lager in Neubrandenburg-Fünfeichen 1939 1948 : Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht, Repatriierungslager, sowjetisches Speziallager von Dr. Natalja Jeske aus Rostock.

In Neubrandenburg-Fünfeichen gab es von 1939 bis 1945 drei Kriegsgefangenenlager (Stalag II A, Oflag II E, Oflag 67) mit mehr als 120.000 Gefangenen aus 11 Ländern. Tausende sowjetische Kriegsgefangene wurden hier Opfer kriegs- und völkerrechtswidrigen NS-Terrors. Nach Kriegsende warteten im sowjetischen Repatriierungslager Nr. 165 über 20.000 ehemalige Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter auf Rückkehr in die Heimat. 1945 bis 1948 waren im Speziallager Nr. 9 des sowjetischen Geheimdienstes NKWD etwa 15.000 Deutsche und hunderte Sowjetbürger interniert. Daran erinnert seit 1993 die Mahn- und Gedenkstätte Fünfeichen. Erinnerungstafeln an Massengräbern geben ab 1999 fast 4.900 NKWD-Opfern und ab Mai 2015 über 5.500 Opfern der Kriegsgefangenenlager, darunter über 5.100 sowjetischen Kriegsgefangenen, einen Namen.

Dr. Natalja Jeske erfasst in ihrer zeitgeschichtlichen Studie zum ersten Mal die komplexe Geschichte aller fünf Lager in Neubrandenburg-Fünfeichen im Zeitraum 1939 bis 1948 in einer Gesamtperspektive. Eingebunden in den historischen Kontext, klar abgegrenzt und ausgewogen stellt sie die Geschichte der drei Kriegsgefangenenlager, des Repatriierungslagers und des sowjetischen Speziallagers chronologisch dar.

Dieser Ansatz erweitert und vertieft den Blick auf den „mehrschichtigen Erinnerungsort“, zeichnet ein differenziertes Bild vom „historischen Ort Neubrandenburg-Fünfeichen als Standort von fünf unterschiedlichen Lagern in zwei verschiedenen Diktaturen“ des 20. Jahrhunderts und trägt dazu bei, „sich der internationalen Dimension des Ortes bewusst zu werden“ (N. Jeske).

Gleichzeitig präzisiert die Studie die lebendige Erinnerung an diesen historischen Ort mit einer Fülle von neuen Forschungsergebnissen. Diese korrigieren und vervollständigen Zahlenangaben und Informationen zur Geschichte der Lager grundlegend, verleihen bisher wenig bekannten Opfergruppen Gesicht und belegen insbesondere das Martyrium der sowjetischen Kriegsgefangenen im Stalag II A Neubrandenburg-Fünfeichen.

Der Autorin gelingt es, historische Zusammenhänge, Fakten und Zeitzeugenberichte so klar strukturiert und informativ, sachlich und unaufgeregt, lebendig und verständlich zu vermitteln, dass die Publikation sowohl wissenschaftlichem Informationsbedarf, vor allem aber breit gefächertem Interesse an historisch-politischer Bildung gerecht wird.

Die Publikation (ISBN 978-3-9816439-0-9) wurde herausgegeben von der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern, dem Landesbeauftragten für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR sowie der Arbeitsgemeinschaft Fünfeichen und erschien als erster Band der Reihe „Erinnerungsorte in Mecklenburg-Vorpommern“. Sie hat das Potential, weit über die Region hinaus neue Impulse zu geben für Erinnerungskultur, kollektives Gedächtnis und historisches Lernen an mehrschichtigen Erinnerungsorten der Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Dr. Natalja Jeske wurde 1962 in Tomsk geboren, lebt seit 1990 in Rostock und forscht zu zeitgeschichtlichen Themen, darunter zur Geschichte der Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht, der NS-Konzentrationslager und der sowjetischen Speziallager in Deutschland. Ihre Publikation „Lager in Neubrandenburg-Fünfeichen 1939-1948“ entstand im Ergebnis zweijähriger Forschungsarbeit, die gefördert wurde durch die Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur, die Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern, den Landesbeauftragten für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Politische Memoriale Mecklenburg-Vorpommern e.V., Arbeitsgemeinschaft Fünfeichen e.V. und die Stadt Neubrandenburg.