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Brigitta Waldow-Schily: Die Künstlerin Maria Hiszpanska-Neumann und Neubrandenburg : Briefe, Zeichnungen, Erinnerungen

Im Neubrandenburger Bücherfrühling geht es am 12. Mai 2017 um 18 Uhr im Stadtarchiv (Haus der Kultur und Bildung, Eingang Darrenstraße) um die polnische Künstlerin Maria Hiszpańska-Neumann (1917 – 1980) – und Neubrandenburg.

Welche Verbindung gibt es zwischen Neubrandenburg und der „polnischen Käthe Kollwitz“? Was erzählen davon Briefe von Maria Hiszpańska-Neumann, die vor wenigen Jahren zufällig entdeckt wurden?

 Was hat der „Neubrandenburger Schmuggelfund aus dem KZ“ damit zu tun?

Brigitta Waldow-Schily, Autorin der deutschsprachigen Künstlermonographie, berichtet von einer spannenden biografischen Spurensuche, porträtiert eine außergewöhnliche Künstlerin und liest erstmals in Neubrandenburg aus Briefen, die die junge Kunststudentin „Myszka“ hier schrieb: als Gefangene im Außenlager des KZ Ravensbrück.

„… wie soll man es machen, ein Mensch zu werden?“ – danach fragt Maria Hiszpanska-Neumann in ihrem künstlerischen Lebenswerk. Zu Gedanken um „Erinnerung, Kunst und Menschenwürde“ in Worten und Bildern tritt die musikalische Begleitung der Lesung in einen berührenden Dialog: Gitarrist Jacob Pampuch erzählt in der „Sprache des Flamenco“ von Leid und Sehnsucht, Würde und Hoffnung.

Es laden gemeinsam ein:
zeitlupe | Stadt.Geschichte & Erinnerung / ein Projekt der RAA Mecklenburg-Vorpommern e.V. (Informationen: constanze.jaiser@raa-mv.de), Stadtarchiv Neubrandenburg und Regionalbibliothek.

Karten gibt es an der Abendkasse (4,00 €, erm. 3,00 €, Schüler 1,00 €) oder im Vorverkauf in der Regionalbibliothek – und werden gern für Sie reserviert (Telefon 0395 / 5551333 oder 0395 / 5551324, Stiftung.bibl@neubrandenburg.de).

„Eine Flaschenpost aus dem KZ Ravensbrück – und wir“ : ein außergewöhnlicher Projekttag in der Regionalbibliothek

„Schüler erkunden Flaschenpost aus dunkler Vergangenheit. Weit entfernt und lange her scheinen die Ereignisse, von denen ein Fund aus einem Waldgebiet nahe Neubrandenburg zeugt. Was er in ihnen auslöst, wollen junge Leute aus Deutschland und Polen in einer Ausstellung zeigen…“ , so beginnt am 23. 01.2016 ein Nordkurier-Bericht über einen Projekttag und ein außergewöhnliches polnisch-deutsches Jugendprojekt in der Regionalbibliothek. „‘Uns war vorher nicht bewusst, dass es so viel mit Neubrandenburg zu tun hat‘, bekennt Julius Richert. ‚Jetzt scheint diese Geschichte allgegenwärtig.“

Es geht um eine „historische Flaschenpost“, die 1975 im Lindetal bei Neubrandenburg-Fünfeichen entdeckt wurde und heute im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau bewahrt wird: Ein Glas, vergraben im Wald, sorgfältig verschlossen, gefüllt mit 14 Briefen aus dem Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück, mit Namenslisten zu Erschießungen und Zwangsoperationen, mit kleinen Kunstwerken und mit 37 Gedichten in polnischer Sprache. Sie erzählt eine berührende Geschichte: Junge Polinnen schmuggelten 1942/43 geheime Botschaften aus dem KZ Ravensbrück zu einer Widerstandsgruppe polnischer Kriegsgefangener im Kriegsgefangenenlager Stalag II A Neubrandenburg-Fünfeichen. Unter Todesgefahr wollten sie bezeugen, was im KZ geschah – „damit die Welt es erfährt…

IMG_4460 Im gemeinsamen Jugendprojekt der öffentlichen Bibliotheken von Koszalin und Neubrandenburg entdecken nun junge Neubrandenburger und Koszaliner das „Verstehens- und Dialogangebot“ (I. von der Lühe) dieser Zeugnisse. Gemeinsam denken sie darüber nach, was diese „Flaschenpost aus dem KZ Ravensbrück“ heute jungen Leuten zu sagen hat. Die Stiftung Erinnerung Verantwortung und Zukunft fördert das diese Auseinandersetzung zum Thema „Diskriminierung: Augen auf – Damals und heute!“ in ihrem Förderfeld EUROPEANS FOR PEACE und das Deutsch-Polnische Jugendwerk unterstützt die Jugendbegegnungen. Gemeinsam erkundeten die 26 Schüler im Oktober 2015 die „historischen Orte“ in der Gedenkstätte Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück, in der Gedenkstätte Lager Neubrandenburg-Fünfeichen, gingen auf Spurensuche in Stadt, Regionalmuseum und Stadtarchiv Neubrandenburg und lernten die engagierte Übersetzerin der Dokumente Inge Gerlinghoff kennen. Sie erfuhren, was aus den „Flaschenpost-Dokumenten“ zu lernen ist über Diskriminierung und Verfolgung im Nationalsozialismus, erprobten kreative Formen des Erinnerns und der Sensibilisierung für Fragen der Menschenwürde und Menschenrechte. Im März 2016 gibt es ein Wiedersehen in Koszalin und es geht um Bezüge zu heutigen Formen von Diskriminierung, zur eigenen Lebenswelt. In der Zwischenzeit wird in Neubrandenburg und in Koszalin darüber nachgedacht, wie man gemeinsam helfen könnte, die Geschichte und den Appell der „Neubrandenburger Flaschenpost aus dem KZ“ weiter zu geben… Der Projekttag in der Regionalbibliothek dauerte viel länger als geplant, war intensiver als gedacht – und hat gezeigt: es gibt viele Ideen – und noch sehr viel zu tun!

 

 

 

  • Hier sind Gedanken zum „Verstehens- und Dialogangebot“ dieser Zeugnisse nachzulesen, die Prof. Irmela von der Lühe in ihrer Laudatio zum Annalise-Wagner-Preis formulierte

Annalise-Wagner-Stiftung zeichnet Publikation zur Geschichte der Lager in Neubrandenburg-Fünfeichen aus

Am 3. Juli 2015 (Achtung: neuer Termin!) lädt die Annalise-Wagner-Stiftung herzlich ein zur öffentlichen Verleihung des 24. Annalise-Wagner-Preises an Dr. Natalja Jeske.
Die Feierstunde beginnt um 18 Uhr im Ratssaal der Stadt Friedland (Altes Gymnasium, Rudolf-Breitscheid-Straße 5).

Die Terminänderung hat einen guten Grund: Dr. Natalja Jeske gehört am 26. Juni 2015 zu den Referenten der internationalen Konferenz „25 Jahre Aufarbeitung der Geschichte der sowjetischen Speziallager“. Mit dem Annalise-Wagner-Preis ausgezeichnet wird ihre zeitgeschichtliche Studie „Lager in Neubrandenburg-Fünfeichen 1939 – 1948 : Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht, Repatriierungslager, sowjetisches Speziallager“ (Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern, ISBN 978-3-9816439-0-9). Darin entwirft sie – erstmals in einer Gesamtperspektive – ein differenziertes Bild vom historischen Ort Neubrandenburg-Fünfeichen als Standort von fünf unterschiedlichen Lagern in zwei verschiedenen Diktaturen des 20. Jahrhunderts.

Die Laudatio für Dr. Natalja Jeske hält Prof. Dr. phil. Matthias Pfüller, ein Nestor der Gedenkstättenarbeit im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern.

Vor der Festveranstaltung gibt es für Preisverleihungs-Gäste die außergewöhnliche Chance, in Friedland ein so innovatives wie erfolgreiches Medien-Unternehmen Mecklenburg-Vorpommerns kennen zu lernen: Um 16 Uhr und um 16.45 Uhr lädt die STEFFEN Druck & Verlag GmbH (http://www.steffen-media.de/ ) zur Betriebsführung ein. Die Teilnehmerzahl ist beschränkt, deshalb ist eine kurze Anmeldung bei der Geschäftsstelle der Annalise-Wagner-Stiftung wichtig.

Kontakt:

Annalise-Wagner-Stiftung, Geschäftsstelle, Friedrich-Engels-Ring 53, 17033 Neubrandenburg,

Telefon 0395 / 5551333, Mail stiftung.bibl@neubrandenburg.de, online www.annalise-wagner-stiftung.de

Mehr Informationen zur Preisträgerarbeit

Annalise-Wagner-Stiftung zeichnet Publikation zur Geschichte der Lager in Neubrandenburg-Fünfeichen aus

Die Annalise-Wagner-Stiftung vergibt zum 24. Mal den mit 2.500 Euro dotierten Annalise-Wagner-Preis an „Texte mit besonderer Bedeutung für das Gedächtnis der Region“ (A. Wagner 1903-1986). In diesem Jahr geht die Auszeichnung an die zeitgeschichtliche Studie „Lager in Neubrandenburg-Fünfeichen 1939 1948 : Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht, Repatriierungslager, sowjetisches Speziallager von Dr. Natalja Jeske aus Rostock.

In Neubrandenburg-Fünfeichen gab es von 1939 bis 1945 drei Kriegsgefangenenlager (Stalag II A, Oflag II E, Oflag 67) mit mehr als 120.000 Gefangenen aus 11 Ländern. Tausende sowjetische Kriegsgefangene wurden hier Opfer kriegs- und völkerrechtswidrigen NS-Terrors. Nach Kriegsende warteten im sowjetischen Repatriierungslager Nr. 165 über 20.000 ehemalige Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter auf Rückkehr in die Heimat. 1945 bis 1948 waren im Speziallager Nr. 9 des sowjetischen Geheimdienstes NKWD etwa 15.000 Deutsche und hunderte Sowjetbürger interniert. Daran erinnert seit 1993 die Mahn- und Gedenkstätte Fünfeichen. Erinnerungstafeln an Massengräbern geben ab 1999 fast 4.900 NKWD-Opfern und ab Mai 2015 über 5.500 Opfern der Kriegsgefangenenlager, darunter über 5.100 sowjetischen Kriegsgefangenen, einen Namen.

Dr. Natalja Jeske erfasst in ihrer zeitgeschichtlichen Studie zum ersten Mal die komplexe Geschichte aller fünf Lager in Neubrandenburg-Fünfeichen im Zeitraum 1939 bis 1948 in einer Gesamtperspektive. Eingebunden in den historischen Kontext, klar abgegrenzt und ausgewogen stellt sie die Geschichte der drei Kriegsgefangenenlager, des Repatriierungslagers und des sowjetischen Speziallagers chronologisch dar.

Dieser Ansatz erweitert und vertieft den Blick auf den „mehrschichtigen Erinnerungsort“, zeichnet ein differenziertes Bild vom „historischen Ort Neubrandenburg-Fünfeichen als Standort von fünf unterschiedlichen Lagern in zwei verschiedenen Diktaturen“ des 20. Jahrhunderts und trägt dazu bei, „sich der internationalen Dimension des Ortes bewusst zu werden“ (N. Jeske).

Gleichzeitig präzisiert die Studie die lebendige Erinnerung an diesen historischen Ort mit einer Fülle von neuen Forschungsergebnissen. Diese korrigieren und vervollständigen Zahlenangaben und Informationen zur Geschichte der Lager grundlegend, verleihen bisher wenig bekannten Opfergruppen Gesicht und belegen insbesondere das Martyrium der sowjetischen Kriegsgefangenen im Stalag II A Neubrandenburg-Fünfeichen.

Der Autorin gelingt es, historische Zusammenhänge, Fakten und Zeitzeugenberichte so klar strukturiert und informativ, sachlich und unaufgeregt, lebendig und verständlich zu vermitteln, dass die Publikation sowohl wissenschaftlichem Informationsbedarf, vor allem aber breit gefächertem Interesse an historisch-politischer Bildung gerecht wird.

Die Publikation (ISBN 978-3-9816439-0-9) wurde herausgegeben von der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern, dem Landesbeauftragten für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR sowie der Arbeitsgemeinschaft Fünfeichen und erschien als erster Band der Reihe „Erinnerungsorte in Mecklenburg-Vorpommern“. Sie hat das Potential, weit über die Region hinaus neue Impulse zu geben für Erinnerungskultur, kollektives Gedächtnis und historisches Lernen an mehrschichtigen Erinnerungsorten der Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Dr. Natalja Jeske wurde 1962 in Tomsk geboren, lebt seit 1990 in Rostock und forscht zu zeitgeschichtlichen Themen, darunter zur Geschichte der Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht, der NS-Konzentrationslager und der sowjetischen Speziallager in Deutschland. Ihre Publikation „Lager in Neubrandenburg-Fünfeichen 1939-1948“ entstand im Ergebnis zweijähriger Forschungsarbeit, die gefördert wurde durch die Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur, die Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern, den Landesbeauftragten für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Politische Memoriale Mecklenburg-Vorpommern e.V., Arbeitsgemeinschaft Fünfeichen e.V. und die Stadt Neubrandenburg.