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Annalise-Wagner-Preis 2019 für „Domjücher Schicksale: Patienten der Heil- und Pflegeanstalt Domjüch bei Neustrelitz in der Zeit des Nationalsozialismus“ von Reinhard Simon aus Neustrelitz

 

© Spica Verlag

Die Dokumentation „Domjücher Schicksale: Patienten der Heil- und Pflegeanstalt Domjüch bei Neustrelitz in der Zeit des Nationalsozialismus“ (Spica Verlag, 2019) von Reinhard Simon aus Neustrelitz wird mit dem 28. Annalise-Wagner-Preis ausgezeichnet.

Der Annalise-Wagner-Preis der Annalise-Wagner-Stiftung aus Neubrandenburg würdigt Texte, die Besonderes beitragen zum „Gedächtnis“ der historischen Region Mecklenburg-Strelitz im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, ist mit 2.500 Euro dotiert und wird in diesem Jahr gefördert durch die Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft mbH und den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte.

Der ausgezeichnete Text gehört zu den verdienstvollen Publikationen zur regionalen Geschichte, Kultur- oder Naturgeschichte, die als Ergebnis von Bürgerforschung im Ehrenamt (Citizen Science) entstehen. Und er ist ein Beispiel für „kleine“ Texte mit großem Potential als Impulsgeber für lebendige demokratische Erinnerungskultur, aktives bürgerschaftliches Engagement und gesellschaftlichen Diskurs in der Region.

© privat

Reinhard Simon lebt in Neustrelitz und ist Verwaltungsangestellter im Naturschutzbereich. 2015 las er einen Artikel über die nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde an psychisch kranken oder behinderten Menschen aus psychiatrischen Einrichtungen in Mecklenburg. Und er erfuhr: Auch an einem historischen Ort „vor der Haustür“ spielte dieses dunkle Kapitel der Regionalgeschichte, in der „Heil- und Pflegeanstalt Domjüch“ am Domjüchsee bei Neustrelitz. Seitdem engagiert sich Reinhard Simon dafür, möglichst vielen Opfern der „Euthanasie“-Morde aus „der Domjüch“ ihren Namen zurück zu geben – und damit ein Zeichen zu setzen für die Einzigartigkeit jeder Persönlichkeit und für die Würde jedes Menschen. 2015 wurde er Mitglied im „Verein zum Erhalt der Domjüch e.V.“ und initiierte 2016 eine Erinnerungsstätte für Opfer von Zwangssterilisationen und „Euthanasie“-Morden aus der Domjüch. Er unterstützt den virtuellen Gedenk- und Informationsort www.gedenkort-t4.eu und sucht ehrenamtlich immer weiter nach Namen und biografischen Zeugnissen dieser lange vergessenen NS-Opfer.

„Für mich ist es das Wichtigste“, schreibt Reinhard Simon, „die Opfer dieser menschenverachtenden Vernichtung psychisch und körperlich Kranker nicht zu vergessen und alles dafür zu tun, dass diese Verbrechen nie wiederholt werden. Dazu möchte ich auch mit diesem Buch beitragen.“[1]

In seiner Publikation veröffentlicht er zum ersten Mal alle 62 bisher bekannten Namen der NS-Opfer aus „der Domjüch“ – und verankert sie auf diese Weise nachhaltig im Gedächtnis der Region. Am regionalen Beispiel spannt die Dokumentation seiner Spurensuche einen Bogen vom „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ (14. Juli 1933) zu den „Euthanasie“-Patientenmorden in der „Aktion T4“ (1940-1941) und bis ins Jahr 1945. Der Autor entwirft ein – für die schwierige Quellenlage – erstaunlich plastisches Bild davon, „was sich in der dunklen Zeit auf der Domjüch abgespielt haben könnte“[2]. Dabei beschreibt er u. a. erstmals, wie das sogenannte „Erbgesundheitsgericht“ arbeitete, welches ab 1934 dem Amtsgericht Neustrelitz angegliedert war und über Zwangssterilisationen in Mecklenburg-Strelitz entschied. Berührend ist sein konsequent biografischer Ansatz: Er erzählt von den NS-Verbrechen anhand von vielen Einzelschicksalen, soweit möglich mit biografischen Lebensskizzen, aber auch anhand kleinster Lebensspuren.

Die öffentliche Verleihung des 28. Annalise-Wagner-Preises findet am 28. Juni 2019 um 18 Uhr in der Regionalbibliothek Neubrandenburg statt. Die Laudatio hält Dr. rer. hum. Kathleen Haack, Arbeitsbereich Geschichte der Medizin an der Universitätsmedizin Rostock und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Geschichte der Nervenheilkunde DGGN. Die Annalise-Wagner-Stiftung lädt herzlich ein!

Mehr Informationen: www.annalise-wagner-stiftung.de

Jurybegründung

Deutscher Jugendliteraturpreis – Teil 3

Preis der Jugendjury

Nominiert in der Kategorie Jugendjury sind:

,,Wenn Worte meine Waffe wären“ von Kristina Aamand

,,Wenn Worte meine Waffe wären“ von Kristina Aamand

Sheherazade, kurz She, ist als kleines Mädchen mit ihren Eltern nach Dänemark geflüchtet. Jetzt ,einige Jahre später, geht She außerhalb ihres muslimisch geprägten Stadtteils zur Schule und ist dort die einzige Muslima. Ihre Mutter hat große Pläne für sie. She soll mal Ärztin werden, heiraten und ihr viele Enkelkinder schenken. She möchte ihr Leben jedoch nicht voraus geplant haben und will lieber ihre eigenen Entscheidungen treffen. Sie versucht einen Ausgleich zwischen ihrer modernen, westlichen Schule und ihrem Stadtteil, in dem fast nur Muslime leben, zu finden. Dies schafft sie auch teilweise, indem sie ihre Gefühle und das was sie bewegt in Zines (Bild-Text-Collagen) zu Papier bringt. Ihre Familiensituation belastet sie. Ihr Vater wurde ins Krankenhaus eingeliefert, da er sich immer noch nicht von Geschehnissen in ihrer früheren Heimat erholt hat. Er war damals Journalist, die Familie hat ein freies, gutes Leben geführt bis seine Texte angefeindet wurden und er für drei schreckliche Jahre ins Gefängnis musste. Zudem achtet Ihre Mutter sehr auf das äußere Bild der Familie und setzt damit She unter Druck. Außerdem flüchtet sich ihre Mutter immer mehr in ihre Religion. Als She ihren Vater im Krankenhaus besucht, trifft sie Thea. Die beiden kommen sich näher und She verliebt sich in sie. She muss bald ihre eigenen Worte finden, um selbst ihr Leben eigenständig bestimmen zu können.

Deutscher Jugendliteraturpreis 2019 – Teil 2

Nominierungen in der Kategorie „Jugendbuch“

Seit 1956 wird von der Kritikerjury des deutschen Jugendliteraturpreises das beste Jugendbuch gekürt. Das Ziel dieser Preisverleihung ist das Interesse an der Kinder- und Jugendliteratur zu fördern, eine Orientierungshilfe auf dem unübersichtlichen Literaturmarkt darzustellen und die Persönlichkeit der Kinder und Teenager zu stärken. Diese sechs Bücher wurden im Bereich Jugendbuch nominiert:

,,Eine Insel zwischen Himmel und Meer“ von Lauren Wolk

Crow ist erst wenige Stunden alt, als sie eines Morgens auf der kleinen Insel strandet, auf der Osh lebt.

,,Eine Insel zwischen Himmel und Meer“ von Lauren Wolk

Er nimmt sie als seine Tochter auf und lehrt Crow das einfache Leben an der rauen See. Sie leben sehr abgeschieden. Nur Miss Magie von einer Nachbarinsel kümmert sich noch um Crow. Sie bringt ihr den Unterrichtsstoff bei, denn Crow geht nicht zur Schule. Die Menschen meiden Crow und behandeln sie wie eine Aussätzige. Es hält sich nämlich das Gerücht, dass Crow von Penikese stammt. Eine Insel, die früher eine Lebrakolonie war und Crows Mitmenschen haben Angst sich anzustecken. Als eines Tages ein Feuer auf Penikese ausbricht, erweckt es Crows Neugier und sie fängt an nach ihren Wurzeln zu suchen. Ihr steht eine abenteuerliche Reise bevor. Crows Geschichte spielt in den 1920er.

Deutscher Jugendliteraturpreis 2019 – Teil 1

Am 21. März wurden die vierundzwanzig Nominierungen für den deutschen Jugendliteraturpreis 2019 auf der Leipziger Buchmesse bekanntgegeben. Darunter sind sechs Bücher, die um den Titel des besten Kinderbuchs konkurrieren.

Die Geschichten könnten unterschiedlicher nicht sein.

Sie handeln von

  • einen listigen Fuchs, der sich seinen Lebensunterhalt mit Detektivarbeit verdient („Jacky Marrone jagt die Goldpfote“ von Franziska Biermann)
  • zwei beste Freunde in einer Großstadt, deren Leben durch eine nicht ganz normale Hausaufgabe eine interessante Wendung nimmt („Mein Freund Otto, das wilde Leben und ich“ von Silke Lambeck)
  • Mira, die mit Verliebtheit und anderen Problemen zu kämpfen hat („Mira – # freunde, #verliebt, # einjahrmeineslebens“  von Sabine Lemir)
  • den Abenteuern eines jungen Kaninchens („Podkin Einohr – der magische Dolch“ von Kieran Larwood)
  • einen Jungen namens Virgil, der in einer gefährlichen Lage steckt („Vier Wünsche ans Universum“ von Erin Entrada Kelly)
  •  der unerschütterlichen Liebe eines Mädchens zu ihrem Hund („Für immer Alaska“ von Anna Woltz)

 ,,Vier Wünsche ans Universum“ von Erin Entrada Kelly

Vier Kinder, die durch das Schicksal des Universums aufeinandertreffen. Virgil ist ein sehr schüchterner und in sich gekehrter elfjähriger Junge, der mit seiner Oma, seinen beiden Brüdern und seinen Eltern zusammenlebt.

,,Vier Wünsche ans Universum“ von Erin Entrada Kelly

Er hat keine enge Beziehung zu seinen Brüdern, mit denen sein Vater lieber Zeit verbringt als mit ihm.  Zudem wird er auch noch von dem Fiesling Chet gehänselt, sodass Virgil und sein Meerschweinchen Gulliver eines Tages in einem alten Brunnen landen. Virgil fand schon immer die taube Valencia sympatisch, traute sich jedoch nie sie anzusprechen. Valencia hat mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen. Sie ist schrecklich einsam und hat schlimme Albträume, welche sie jedoch nachhern zu Kaori führen. Kaori hat hellseherische Fähigkeiten, von diesen ist sie zumindest überzeugt. Durch eine Visitenkarte nimmt Valencia mit Kaori und ihrer kleinen Schwester Gen Kontakt auf, sie hofft, dass Kaori ihr möglicherweise bei ihren Problemen helfen kann. Auch Virgil steht in Kontakt mit Kaori, die er um Rat wegen seiner Schüchternheit gegenüber Valencia fragt. Als die Mädchen bemerken, dass Virgil verschwunden ist, startet eine außergewöhnliche Suchaktion.

73 Bewerbungen und Vorschläge für den 28. Annalise-Wagner-Preis

Die Ausschreibung des 28. Annalise-Wagner-Preises endete am 15. März 2019.

Sehr herzlich dankt die Annalise-Wagner-Stiftung für jede Bewerbung und für jeden Vorschlag!

73 Bewerbungen und Vorschläge liegen der Annalise-Wagner-Stiftung vor. Von den 31 Autoren-Bewerbungen und 42 Vorschlägen kamen 49 aus dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern und 24 aus anderen Bundesländern. Sie beziehen sich auf 57 Publikationen und 16 Manuskripte. Bei 33 Bewerbungen und Vorschlägen geht es um belletristische Werke, 30 bringen populärwissenschaftliche oder wissenschaftliche Sachtexte ein und 10 machen aufmerksam auf Texte der Kinder- und Jugendliteratur.

Die Jury des Annalise-Wagner-Preises wird bis Ende Mai einen Preisträger-Text auswählen.

Zur öffentlichen Preisverleihung ist jeder Interessierte jetzt schon herzlich eingeladen!
Sie findet am 28. Juni um 18 Uhr in der Neubrandenburger Regionalbibliothek statt – und setzt traditionell einen außergewöhnlichen Akzent im Norddeutschen Bücherfrühling.

Gefördert wird die Vergabe des 28. Annalise-Wagner-Preises von der Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft mbH und dem Landkreis Mecklenburgische Seenplatte.

Kontakt: 0395 555-1333, stiftung.bibl@neubrandenburg.de, www.annalise-wagner-stiftung.de